Vater 22.06.2011

— Original-Beitrag vom 22.06.2011 —

Ich versinke. Immer tiefer und tiefer. Es scheint, als könne nichts das offensichtlich unvermeidbare aufhalten. Egal was ich tue – egal, was andere tun, die von mir und meinen Gedanken wissen – ich komme immer wieder zu diesem Punkt. Was ist das Problem? Ich weiß doch, dass es eigentlich nicht so schlimm ist, rational betrachtet, doch es gibt immer wieder diese Momente, an denen das alles völlig egal scheint und ich mich freiwillig selbst in dieses Gefühl hineinsteigere. Ich weiß nicht wieso. Vielleicht, weil es überhaupt ein Gefühl ist. Es fühlt sich gut an, etwas zu fühlen, selbst wenn es das ist – Könnte das der Grund sein? Wenn man so lange solche Dinge hören und erleben muss wie ich – und zwar von sämtlichen Seiten – wird man irgendwann gefühllos der Außenwelt gegenüber. Lass es nicht an dich ran, wird einem gesagt. Doch das ist dann auch wieder nicht richtig. Wie man sieht – ich bin hier, und es geht mir so schlecht wie schon öfter.
Der Auslöser sind diesmal meine Eltern. Ich habe das Gefühl, dass sich nicht das geringste für mich interessiert wird – doch warte, nein, er hat mich ins Kino eingeladen, den Abiball bezahlt und will auch kommen. Das macht er ja nicht weil er meint er müsste es. Oder doch? Versucht er, seiner Vaterrolle irgendwie gerecht zu werden, in die er gedrängt wurde? Es gibt einige Anhaltspunkte, die darauf schliessen lassen. Gott, ich bin froh dass er kein weiteres Kind bekommt. Würde er es wirklich besser behandeln? Niemand sollte das alles erleben müssen, was ich erlebt habe. Sicher, es gibt auch gute Seiten, doch es gibt einen Grund warum ich mich gerade fühle wie ich mich gerade fühle. Und aktuell sind er und sie der Grund. Und er auch – doch das ist eher unterschwellig und nicht aktuell.
Ich meckere immer nur, will immer nur haben. Sage nie bitte, verweise auf andere. Ist das wirklich so? Ich hoffe immer, andere Menschen könnten so rational denken wie ich, und wenn der Anstoß fehlt gebe ich ihn. Doch leider funktioniert das nicht, wenn der von mir kommt, denn in dem Kontext kommt es ganz anders rüber. Ich wünschte, ich könnte ihnen diverse Dinge klar machen ohne dass sie wissen dass es von mir kommt, aber solch einen Kanal gibt es nicht. Also tue ich es auf die altmodische Weise und teile es ihnen selber mit, per Mail, Chat, manchmal mündlich oder mittels einer Handlung – und es ist noch nie etwas gutes dabei herausgekommen.
Denkt man ganz unvoreingenommen darüber nach, was ich gesagt habe. Ich meine, ich bin ja nichtmal der einzige, von dem ihr das hört. Das muss doch ein Zeichen sein. Du sagst, sie hat fast immer Recht und ihre Meinung ist dir wichtig, aber du hörst nicht auf sie, wenn sie dir versucht zu sagen wie ein Elternteil ihrer Meinung nach handeln sollte. Sie ist deine Mutter verdammt nochmal, sie weiß wovon sie redet, und wie sie mir erzählt hat musste sie ähnliches mit ihren Eltern durchmachen und wollte nicht, dass ich das auch muss. Aber gegen einen Sturkopf, der meint genau zu wissen was er tun muss, kann und sollte und wie sich ein richtiger Vater verhält, kann sie nichts anrichten, nichtmal mit einem solchen Einfluss, der doch nicht so groß zu sein scheint. Es ist immer wieder klar erkennbar, dass du nicht mein Vater bist. Ich weiß, dass du es gerne hörst wenn ich so etwas andeute, das habe ich schon öfters mitbekommen, aber wirklich etwas dafür tun willst du nicht. Vater verhält sich zwar auch nicht immer so wie es sich gehört, aber von ihm habe ich wenigstens immer wieder das Gefühl, dass ich ihm mehr bedeute als seine Arbeit oder sein Hobbys, dass er sich für mich einsetzt und mir auch zeigt, dass er mich liebt. Sicher, auch das hat seine Grenzen, aber das liegt an seiner Person. Und deine Persönlichkeit sollte nicht untergraben, dass ich einen Vater brauchen könnte, der für mich da ist.
Deine Arbeit ist wichtig, und du brauchst Hobbys. Das weiß und respektiere ich. Aber genauso wenig, wie ich mir anmaße in deine Ehe reinzusprechen und zu erwähnen, dass ich es für böse halte, dein Hobby diversen ihr wichtigen Unternehmungen vorzuziehen – Ich glaube ja immer zu wissen, was für andere manchmal besser wäre – solltest du versuchen, nur deiner Vorstellung von einer Vaterrolle gerecht zu werden und nicht dem, was andere meinen wie es aussehen sollte. Du solltest dir wirklich mal ansehen, wie andere das machen, das ist keine Schande. Oh, ja, man soll sich nicht mit anderen Vergleichen. Einen Scheissdreck! Das mag stimmen, wenn man keinen objektiven Blick auf die Gesamtlage hat, zum Beispiel 14 Jahre alt ist und alle behaupten, den Film zu kennen oder das Spiel zu haben. Aber wenn allgemein bekannt ist, dass bestimmte Dinge einfach gemacht werden, auch wenn es deinen Vorstellungen widerspricht, solltest du versuchen über deine Prinzipien hinwegzusehen und einen Fehler einzugestehen. Das hast du noch nie getan, und wenn ich so darüber nachdenke ist das einer deiner größten Fehler. Und es rettet dich auch nicht zu sagen, dass du es tun würdest wenn einer mit ausschlaggebenden Argumenten kommt – Du hast ja immer Recht, also kann dich auch niemand überzeugen, weder das Kind, dass du in die Familie aufgenommen hast, mit allen Vorzügen und Pflichten bitte schön, noch deine Frau, wie ich immer wieder sehe, noch deine Mutter, wie wir beide gerade erfahren haben. Meinst du, dass das der richtige Weg ist? Denk mal darüber nach, und zwar rational.
Und es macht es nicht besser, zuzumachen und zu sagen, wenn ich so denke solle ich doch bitteschön ausziehen. Es macht es ganz und gar nicht besser. Überhaupt nicht.
In solchen Stimmungen wie ich gerade bin habe ich das Bedürfnis, ein Lied zu zitieren, dass meine Stimmung trifft:
Ich schenk dir mein Leben.

Ich steh vor deinem Altar
weiß nicht wer ich bin, wer ich war
Hasse diese Welt, die nur Fragen stellt, mich nicht liebt Nicht akzeptiert so wie ich bin, sich für mich geniert… Es nicht interessiert, was mit mir passiert Schneiden mir die Adern auf, Hängen mich und schlagen drauf. Schmerz und Kummer mich verzehrt Bis der Zug des Lebens mich überfährt. Diese Welt ist so leer. Ich will und kann nicht mehr.
Bitte, think over it, again. Nur einmal. Du siehst doch, dass es mich zerstört. Du musst es sehen. Du bist nicht alleine Schuld – aber du hast gewaltigen Anteil. Und das kannst du ändern.
Bitte.

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