Gehirn

Dieses Jahr war eine komplette Achterbahn für mich in fast allen Bereichen außer denen, die vorher meistens Achterbahnen verursacht haben.

Nachdem ich im Januar meine Medis abgesetzt hatte, die genau nach Intention mein Gehirnfeuer verlangsamt hatten, ist auf einmal so viel mehr angekommen was ich vorher nie erkannt habe – und erkennen konnte. Die Ausmaße dessen kann ich nichtmal anfangen zu beschreiben, aber generell gehts um tieferes/komplexeres Denken, verarbeiten von viel mehr Input, weiter und mehr außerhalb von gewohnten Strukturen denken und bestimmte Muster rational erkennen.
Damit geht so viel einher, ganz besonders auf sozialer Ebene, dass ich über ein halbes Jahr gebraucht habe mich umzugewöhnen und zu versuchen halbwegs zu erfassen was da alles um mich herum und in mir drin passiert, wie ich damit umgehe, und wie ich das irgendwie benennen kann. Was dabei herausgekommen ist ist eine stark erhöhte Frequenz von Tweets, ein komplett neues Diskussionsverhalten, eine veränderte Lebensweise bezüglich Menschen die mir gut tun und die mir nicht gut tun, längere Texte über soziale Themen und Politik – und andere – auf meinem neuen Medium-Account und lange eine starke Aktivität auf ein paar Subreddits zum Thema Suizid und zum Thema Asperger. (Mein englischer Medium-Artikel darüber, Therapie zu “wollen”, ist hier eventuell besonders interessant; hier habe ich das für einen anderen Blog auf Deutsch übersetzt.)

Mit letzterem befasse ich mich nicht mehr viel da die Warteliste, auf welcher ich für eine etwaige Diagnose stehe, noch 1,5 Jahre lang ist und weil ich schon noch anders funktioniere. Wenn dann bin ich nicht weit auf dem Spektrum, und dafür wie ich damit umgehe ist das über eine gewisse Grundkenntnis von Symptomen hinaus auch gar nicht mehr so wichtig.

Was wichtig ist das ich jetzt viel mehr erkennen kann, ganz besonders auf emotionalen Ebenen – bei anderen, und bei mir. Ich kann jetzt besser erkennen wie sich Menschen fühlen, wie und wieso andere Menschen mich so fühlen lassen wie sies tun und dass (und wo) ich Selbstschutzgrenzen im Kontakt suchen muss. Das führt unter anderem dazu dass ich mit weniger Menschen Kontakt habe und nahezu meine gesamte Familie aus meinem Leben raus musste, weil ich jetzt weiß dass da nichts hilfreiches mehr kommt – war es bis jetzt auch nicht, aber wie wichtig Selbstschutz ist und wie wenig da noch kommen kann kann ich jetzt erst erkennen.

Das war ein harter Schritt, für jeden dieser Menschen, aber es tut mir jetzt besser. Kein Kontakt ist besser als negativer Kontakt, völlig egal wie gut die Intentionen sind. Es gut zu meinen ist mir als menschliche Charaktereigenschaft sehr wichtig, aber wie gesagt: Selbstschutz ist es auch. Und da ich nun mittlerweile weiß wie sehr anders ich funktioniere als es “üblich” ist weiß ich auch worauf ich bei Menschen achten muss um versuchen zu können mit ihnen mehr Kontakt zu haben ohne dass es mich (und sie) kaputt macht.

Meine Familie hat keinen solcher Menschen – das ist aber auch reine Statistik. Fast kein Mensch hat diese für mich notwendigen Eigenschaften, besonders in einem produktiven Ausmaß. Meine Familie ist da nur eben kein Ausreißer; wieso sollte sie auch. Dass ich so funktioniere wie ich es tue ist geringfügig genetisch gestützt, hat aber viel Zufall und persönliche Erfahrungen mit drin und die haben mit Biologie nichts zu tun (vor allem nicht in verlässlichem Maße).

Worum es mir geht wenn ich sage dass ich “anders” funktioniere ist vor allem Dinge der emotionalen Intuition und des Verhältnisses zur Kommunikation. Die Dinge arbeiten eng zusammen, sind aber in bestimmten Grundprinzipien einzeln in nahezu jedem Menschen auf eine bestimmte Weise vorhanden und bei mir beide so nicht, aus vielen verschiedenen Gründen an denen ich nichts ändern kann. Da konkret drauf einzugehen würde den Rahmen hier sprengen (und das wird sicher ein langer Text), aber grundsätzlich wichtig ist dass a) Emotionen für mich in keinster Weise, von niemandem, intuitiv funktionieren und b) Sprache für mich intuitiv komplett anders funktioniert als Menschen es kennen, nämlich vollständig wortwörtlich und (erstmal) frei von Emotion.

a) Meine eigenen Emotionen konnte ich noch nie wirklich fassen, geschweige denn benennen. Ich habe es versucht, weil Menschen aus verschiedenen Gründen ja fragen, und das hat nie funktioniert. Ich weiß jetzt wieso, und zwar wegen b). Dennoch kann ichs selbst immer noch nicht gut erfassen und komme nur durch rationale Analysen irgendwie ran. Darüber hinaus fehlt mir Körpersprache auf gewohnte Weise, was bedeutet dass ich für Menschen mindestens verwirrend bin was wiederum zu vielen weiteren Dingen führt, unter anderem dass ich keine emotionale Empathie auslöse.

Was ich sage bringt Leute schon dazu dem Beachtung zu schenken, aber wie ich es sage löst nie wirklich etwas aus. Dafür können sie nichts; so funktionieren Menschen nunmal. Ich muss dennoch damit umgehen und baue jetzt bewusst Anpassungsfilter für meine Körpersprache ein, um Leute das verstehen zu lassen was ich sagen will. Das was ich sonst sagen würde würde sonst fehlinterpretiert werden und von dem weggehen was ich gemeint habe. Das ist einer der grundlegenden Unterschiede, und das ist meiner Erfahrung nach bei absolut jedem Menschen in einem bestimmten Ausmaß nötig.

b) Was für Körpersprache gilt, gilt auch für Wortsprache. Ich weiß nun was Subtext ist, dass er immer irgendwie vorhanden ist, und dass ich ihn überhaupt nicht verwenden kann. Dennoch analysieren Menschen intuitiv Subtext bei Dingen die ich sage, und wenn kein absichtlicher drin ist werden sie Dinge immer fehlinterpretieren. Das ist früher andauernd passiert, aber das was dabei rauskommt wird seltenst kommuniziert und hat sich eher langfristig und/oder unterbewusst so niedergeschlagen dass Menschen mich unangenehm fanden, respektlos, arrogant, voreingenommen, überheblich und andere Dinge – und eben dass ich oft Dinge sagen (wollen) würde die ich so nie gesagt habe. Das dann zu bestreiten bringt dann oft auch nichts mehr, denn für jeden anderen Menschen wäre deren Interpretation zuverlässig gewesen.

Diese Dinge weiß ich nun grundsätzlich und kann damit arbeiten und das lernen. Momentan tue ich das, indem ich um “bekannte” Worte und Formulierungen drumrum arbeite die Assoziationen/Subtext implizieren würden damit das nicht passiert und Menschen weniger über meine Worte hinaus versuchen zu interpretieren. Darüber hinaus kommuniziere ich auch sehr viel mehr, da ich versuche so viele Nuancen wie möglich unterzubringen die sonst Teil vom Subtext sind. Wenn ich das nicht tue geht das öfter schief als sich die pure Masse meiner Kommunikation negativ auswirkt. Wenn ich mit der Zeit besser wäre finde ich vielleicht irgendeinen Mittelweg, aber das ist noch nicht der Fall und wird definitiv noch eine Weile dauern.

Ich lerne mit jedem Gespräch, aber ich habe auch nur bestimmte Mengen an Kapazität – jetzt viel mehr als vorher, aber meine Erschöpfungsmuster existieren wie zuvor auch.

Was meine Depression angeht: Ich habe weiterhin Breakdowns, ich habe weiterhin eine sehr negative Durchschnittsstimmung, und ich habe weiterhin die Selben Trigger. Dass ich mehr merke hilft damit besser umzugehen und zu versuchen effizienter Risiken zu verringern, aber es ändert nichts an der Grundsituation. Ich glaube auch nicht dass sich das je ändern wird. Wenn ich unter Menschen bin muss mein Gehirn sofort hochdrehen und alles aufnehmen um angemessen reagieren zu können; früher wusste ich nie genau wieso, jetzt schon. Mein Gehirn hat natürlich vorher auch schon diese Analysen betrieben die ich jetzt bewusst mache – aber da sie unbewusster waren waren sie viel weniger zuverlässig und effizient. Ich kann das jetzt besser steuern, aber der Effekt ist der Selbe. Zu lange unter Menschen geht nicht gut, und ich verschwinde sobald ich merke dass es bergab geht damit sich der Ausbruch auf mich beschränkt und ich keinen bzw. so wenig Schaden wie möglich anrichte.

Da das auch größtes Problem in einer Arbeitssituation werde, ist das auch so wenig drin wie vorher und da sich diese Situation auch sicher nicht so schnell ändert, wenn überhaupt, ändert sich auch meine Arbeitsunfähigkeit nicht. Ich musste nun meinen Antrag auf berufliche Reha zurückziehen und verlängere gerade meinen Antrag auf Hartz IV. Ich bin nicht krankgeschrieben, die Psychiaterin braucht mindestens einen Monat Vorlauf für Termine – ich hab keine Ahnung was ich tun soll, und tun kann.

Geld ist Ende jeden Monats so knapp dass ich eine Woche lang stark Nahrungszunahme runterfahren muss um zu überleben. Da Essen der einzige positive Input ist, den ich selbst kontrollieren kann, schlägt sich das sofort mental nieder und ich bin die letzte Woche des Monats fast vollständig an der Kante von Breakdowns. Menschen die dann implizieren ich würde mir das aussuchen oder könnte “ja einfach Geld verdienen”, oder hätte das nicht versucht, machen alles nur noch schlimmer. Das ist kein “noch Hoffnung haben”, das ist überhebliche, privilegierte Ignoranz weil sie mir dann offensichtlich einfach nicht glauben.

Ich brauche Vertrauen, selbst wenn Menschen nicht verstehen oder für wahrscheinlich halten was ich sage.

Das ist eben ganz besonders wichtig da ich teilweise völlig anders funktioniere als man es kennt. Völlig egal was es ist, überall ist eine mentale Komponente drin und unter den “richtigen” (passenden) emotionalen Umständen können Menschen kein Wasser trinken oder sich auf Balkone stellen. Dass manche Menschen bestimmte Farben nicht unterscheiden können glaubt man ihnen weil wir wissen dass es das gibt; dafür wie ich funktioniere gibt es viel weniger Beispiele (sicher auch weil ich, und etwaige andere Betroffene wohl ebenso, das überhaupt nicht kommunizieren können). Wenns um Dinge geht die andere können glaubt man dann ich müsste es auch, wenns ihnen diese Dinge einfach oder zumindest physisch möglich erscheinen. Sind sie nicht immer. Und wenn ich sage ich kann etwas nicht, dann glaubt mir das. Selbst wenn ihr glaubt das könne nicht sein, oder mir das zu “lassen” sei sogar “schädlich”.

Ich hab meine eigenen Prioritäten, und per default zu vertrauen wird viel öfter zutreffen als per default zu misstrauen. Ihr habt keine Möglichkeit zu unterscheiden was was ist, also entweder Vertrauen per Default oder Misstrauen per Default. Die meisten wählen dann das Misstrauen, und dazu zählt auch meine Familie. Das wird sich auch nicht ändern; das ist Teil des Charakters von Menschen, egal wie gut sie es meinen. Ich habe damit abgeschlossen. Diese Menschen sind kein Teil meines Lebens mehr, und das werden sie auch nicht mehr sein. Ich bin nicht böse, ich hasse niemanden, aber ich muss mich selbst schützen. Das ist purer Überlebensinstinkt, und ich kann den nun über eine imminente Situationsebene hinaus anwenden.

Ich weiß dass Misstrauen per Default “angemessen” ist, für jeden Menschen selbst, ich verstehe die Mechanik, aber für mich ist das eben das was mich umbringt. Ob die Menschen das sehen oder nicht. Was mir nicht gut tut entscheide ich allein, und niemand anders kann wissen wie ich mich fühle. Das zu versuchen für mich zu definieren ist ein harter Übergriff und ein eindeutiger Grund dafür, für mich absolut schädlich zu sein. Und wenn das oft und intuitiv kommt, weiß ich dass sich das auch nicht mehr ändert. Egal wie gut ein Mensch es meint. Sorry. Diese Situation hat sich niemand ausgesucht – aber ich muss auch für mein Überleben sorgen. Egal wie schmerzhaft das ist, ich mache das nicht im Geringsten freiwillig.

Die größte andere Änderung ist ein Mensch.

Ich hatte mich eine Weile auf OkCupid rumgetrieben, welches einige Male von Matt Melvin (ein Mensch, dem ich viel Stabilität und Rat zu verdanken habe) empfohlen wurde. Da ich das immer wieder von Menschen erwähnt gesehen habe deren Meinung ich schätze habe ich mir das angeschaut und war gleich – und bin es immer noch – absolut begeistert.

Seit dem Absetzen der Medis bin ich mir auch Dinge wie Diskriminierung, Bias verschiedener Art, verschiedener Funktionsweisen von Menschen, Gehirnen, Emotionen etc. und Ideologiemustern bewusster geworden, weshalb ich seitdem viel mehr mit Feminismus, Anti-Faschismus, Anti-Rassismus, sozialer Politik und vielen anderen Dingen zu tun habe und mich viel mehr dort engagiere und beteilige. Das führt auch dazu, dass ich damit viel offener bin und mein Privileg eines weißen Kerls nutze um zu versuchen Leute zu erreichen die sonst eh nicht zuhören (egal ob ich mit ihnen direkt rede oder nicht). Das schlägt sich überall nieder, inklusive den Fragen die man auf OkCupid beantwortet, meinem Profil dort und den Nachrichten die ich schreibe.

Ich habe einigen Menschen längere, persönliche, durchdachte Nachrichten geschrieben weil ich das wichtig finde und es überhaupt keinen Spaß macht die üblichen zwei Sätze in der Inbox zu sehen. Außerdem lässt sich damit auch kein Gespräch fortführen. Ich habe mehr Antworten bekommen als auf jeder anderen Plattform bisher und die waren um einiges angenehmer als überall sonst, unter anderem weil mich die Antworten meiner “Persönlichkeits-Fragen” mit Leuten verknüpfen die eben auch feministisch, aktivistisch, anti-faschistisch etc. engagiert und interessiert sind und besonders auch kritisch denken können und oft nicht nach hetero-/cis-/mononormativen Strukturen leben. Letzteres war schon vorher Teil von mir, aber es ergänzt sich super mit meiner neuen Awareness von Dingen und die Menschen, die ich dadurch kennenlerne, sind so viel angenehmer als zuvor.

Einer dieser Menschen hat dann auch zurückgeschrieben, und wir fanden uns sehr schnell sehr interessant. Vom Text sind wir schnell in Audio-/Videochat gekommen und haben uns viel – sehr viel – unterhalten. Es hat sich emotional etwas entwickelt in einer Art und Weise die ich so erst ein Mal hatte, und es hat da nicht aufgehört. Darüber hinaus war nun eben auch die rationale Ebene mit drin die ich so noch nie auch nur annähernd hatte. Ich habe mit ihr, da ich mir dessen nun bewusst war, es geschafft eine vollständig grundlegende Vertrauens- und Kommunikationsbasis aufzubauen die ich so nie für möglich gehalten hatte. Wir funktionieren schon unterschiedlich, aber wir haben beide die Absicht und den Einsatz zu versuchen miteinander zu funktionieren.

  • Durch die Vertrauensbasis gehen wir erstmal nie davon aus dass etwas böse/negativ gemeint war, auch wenn es so klang. Wir wissen beide wie unterschiedlich Kommunikation funktionieren kann, und bei uns funktioniert (besonders bei mir), deswegen ist das grundlegend notwendig und es funktioniert bis jetzt absolut super. Immer wenn jemand von uns Angst hatte der andere würde jetzt irgendwas negatives entgegnen, vor allem wenn wir b) nachgekommen sind, konnte der andere zeigen dass die Angst unbegründet war und wir den Menschen so nehmen wollen wie er ist. Emotionalität schert sich nicht um rationales Wissen, das ändert sich nur mit der Zeit mit Gewöhnung, und wir beide haben viele beschissene Erfahrungen in die Richtung gemacht. Zumindest für uns beide können wir uns so super gegenseitig umgewöhnen, und das ist einfach extrem angenehm.
  • Die Kommunikationsbasis ist das, womit wir mit unseren beiden brutal starken Depressionen und Gehirnen klarzukommen versuchen. Wir haben beide das Problem dass das sehr stark ausarten kann und dass da Dinge als Impulse kommen die nicht das geringste damit zu tun haben was wir “eigentlich” (-> rational) wollen. Wenn man das anderen Menschen sagt glauben die, spätestens unterbewusst, man würde solche Dinge ja schon irgendwie wollen wenn man solche Impulse hat.

Das ist nicht der Fall, besonders nicht bei Depressionen. Wir wissen das, wir vertrauen uns, und wir kommunizieren das damit beide sich bewusst sind was passiert, was daraus weiterhin passieren kann wenn jemand die Kontrolle verliert, und damit keiner sich fragt was los ist. Wenn wir wissen dass nur wieder die Depression scheiße labert muss keiner Angst haben dass man irgendwas falsch gemacht hätte oder der andere einen hasst; zumindest tatsächlich hasst. Die Depression kann einen das glauben machen, aber nochmal: Das ist nicht das was sie oder sich wirklich wollen und fühlen. Scheiß auf Depressionen. Wir treten der mit Kommunikation in den Arsch, in einem Ausmaß das ich so nichtmal annähernd woanders konnte und kenne, bei niemandem.

Das, und dass ich sie generell einfach als so sehr tollen Menschen sehe, führen auch dazu dass ich starke Zuneigung zu ihr entwickelt hat. Wir haben auch kommuniziert dass wir uns nicht an irgendwas komprimierendes binden wollen, was passieren kann wenn wir uns über einen notwendigen Rahmen hinaus mit kurzen Worten für komplexe Situationen beschreiben, insofern gibt es weniger “meine Freundin” bzw. “mein Freund” als soziale Norm noch “ich liebe dich” und “ich liebe dich auch” als Floskeln. Liebe fällt als Wort, aber als Beschreibung einer aktuellen emotionalen Lage und eben nicht als Floskel. Wir sagen diese Dinge nur wenn sie sich gerade konkret so anfühlen, und sonst nicht. Und auch nicht weil wir glauben wir müssten sie jetzt sagen, also z.B. auch nicht (einfach so) als Entgegnung.

Das ist alles kommuniziert, und so viel angenehmer als alles was ich bisher kenne. Wenn das für andere anders gut funktioniert, super. Jeder Mensch funktioniert unterschiedlich, und so funktioniert das bis jetzt für uns. Ob wir funktionieren oder nicht wollen wir anhand unserer selbst herausfinden, nicht anhand der Bilder die wir dem anderen von uns zeigen wollten (und wenn sowas existiert ist das an sich auch irgendwann immer ein Problem). Ich will herausfinden wohin das führt, und sie möchte das auch.

Sie hat das meiner Meinung nach von allen Menschen denen ich je begegnet bin am meisten verdient dass ich der bestmögliche Mensch bin der ich sein kann. Wie das bei mir funktioniert, habe ich ihr gestern spontan versucht zu erklären – ich zitiere mich hier mal, weil das nochmal einiges erklärt (es fängt erstmal mit dem Thema an, wieso man sich teilweise “impulsiv” versucht auch in negative Emotionen reinzubegeben bzw. diese zu verstärken):

Ich hab für mich vor einiger Zeit herausgefunden warum ich in negativen Emotionen oft versuche drin zu bleiben, oder aus schlechten Tagen konkrete Breakdowns zu machen. Glaube ich zumindest.
Ich glaube, es ist die Gewohnheit. Ich kenne das, das ist angenehm. Völlig egal was es ist; wenn du weißt was es ist, dann hast du davor weniger Angst. Selbst wenn es eine Hölle ist.
Für mich persönlich kommt noch dazu dass es überhaupt eine Emotion ist. Ich spüre etwas, und die positiven kann ich für mich selbst nicht erzeugen. Dann nehme ich das nächstbeste, was auch immer das ist, solange es nicht nichts ist.
Aber das mit der Gewohnheit ist von mir unabhängig. Dass Menschen lieber gewohntes haben ist, soweit ich das verstanden habe, generell allgemeingültig bis zu einem gewissen Grad in jedem Menschen.
[…]
Es gibt keine passende deutsche Übersetzung – der “comfort” einer bekannten Situation steht wohl auf einem anderen Level von Emotionalität.
Möglicherweise auf einem biologischen. Das würde evolutionär teilweise Sinn machen, ohne davon irgendein professionelles Wissen zu haben.
Und das einzige das stärker ist als Emotionalität ist eben Biologie.
Das einzige was man da tun kann ist das Gegenteil forcieren. Obwohl es sich scheiße anfühlt, sowohl unangenehm wegen der Biologie im Sinne des Überlebensinstinkts als auch emotional weil man gegen die Biologie geht und Angst bekommt.
Und dann kannst du nur noch hoffen dass es funktioniert. Das kann es nicht immer, und man muss starke Sicherheitsmaßnahmen einbauen – für den Fall dass es schiefgeht, und in welchem Moment man das probiert. Abgesehen davon herauszufinden wie man das überhaupt tun könnte, weil das Konzept an sich sich einfach anhört aber in jeder spezifischen Situation nochmal unendlich viel komplexer ist.
Gedankenschleifen, besonders depressive, sind Teufelskreise und der einzige Ausweg – OHNE zu wissen in welche Richtung – ist brutale Selbstdisziplin, mit aller Kraft. Ich weiß nicht wie viel du davon schon tust, das ist völlig unvoreingenommen beschrieben ohne von irgendwas auszugehen was du bereits tust, denkst, weißt und versuchst.
Geht halt nicht immer. Man bricht irgendwann zusammen wenn man zu viel versucht zu stemmen, schneller je mehr auf einmal. Man muss es auch wieder zulassen, das ist dann in Ordnung. Dann hast du einfach keine Wahl; wer das nicht sieht kann sich gleich verpissen. Und dazu zählt auch deine Depression, wenn die dich glauben lässt du wärst deswegen schwach oder nichts/weniger wert.
Du hast einen positiven Einfluss auf Menschen. Du versuchst hilfreich und ein positiver Einfluss zu sein. Das ist, für mich, der stärkste Faktor davor wie viel ein Mensch “wert” ist in einem moralischen Sinne, von realen Kontexten völlig abgesehen.
Ich versuche keinem Menschen zu helfen und gut zu einem Menschen zu sein – und gut für ihn zu sein – von dem ich nicht glaube dass der was daraus macht, dass der das verdient hat, dass der das braucht UND möchte und dass das was ich tue das richtige ist, für den Menschen und für mich. Und wie viel Aufmerksamkeit und Kraft ich da reinstecke hängt davon ab wie viel gutes ich in einem Menschen sehe.
Emotionaler Aufwand, und letztendlich auch emotionale Zuneigung, aus meiner Seite sind völlig davon abhängig wie viel gutes ich in einem Menschen sehe abhängig von meiner Definition von “gut”.
“Gut” ist ein Adjektiv, in diesem Kontext, das ich noch nie beschreiben konnte. Es ist ein Gesamtbild, aus zehntausend Faktoren zusammenhängend, ein Gefühl, ein Eindruck, ein Muster das ich von einem Menschen bekomme. Wenn ich in diesem Kontext sage jemand sei ein “guter” Mensch, dann meine ich alles auf einmal anhand meiner Definitionen, Werte und Ansichten dieser Dinge.
Authentizität, Altruismus, Offenheit, Gutartigkeit, Selbstreflexion, Kritikfähigkeit, der Wunsch sich zu verbessern, Menschen akzeptieren und trotzdem sich selbst schützen wenn es nicht funktioniert – das sind wohl Teile der größten Werte die ich in einem Menschen suche. Je mehr davon ich sehe desto mehr empfinde ich einen Menschen als “gut”, und das wird am Ende so komplex dass ich das nie annähernd beschreiben kann. Ich weiß aber dass mich das Gefühl nie getäuscht hat soweit ich mich erinnern kann und teilweise auch sehr schnell klickt; in einer halben Sekunde manchmal bevor ich mit ihm spreche wenn ich ihn real sehe. Das sind dann natürlich bei weitem nicht alle Faktoren die ich dann schon erkennen kann, aber mir gehts darum zu beschreiben wie weit und tief sich das zieht. So weit dass ich schon am Gang, an Mimik und Gestik und an Stil und Kleidung teilweise ein Gefühl bekomme wenn ich einen Menschen sehe.
In seltensten Fällen – höchstens ein Mal im Jahr – haut mich dieses Gefühl sogar um. Das geht nur wenn ich mit dem Menschen vorher nie gesprochen habe weil das mehr ein Überaschungs-Umhauen ist, insofern war das bei dir nicht direkt so, aber es gibt auch einen Grund warum ich dich angeschrieben habe. Aus dem Stil und Content eines Textes leiten sich auch ein paar Faktoren ab. Das ist bei mir eben ein fast vollständig unterbewusster Prozess.
Ich bin eigentlich nicht derjenige der nach Gefühlen handelt – selten bin ich mir derer überhaupt bewusst – aber ich weiß durch rationale Analyse wenn ich etwas tue was ich sonst nicht tue. Ich habe beim browsen einige Profile von weiter weg als Hamburg gesehen, und auch in […], und weniger als 5 insgesamt angeschrieben. Von keinem hab ich eine Antwort bekommen; von dir schon. Den Rest kennst du.
Ich weiß nicht wie weit du mein Gefühl als Maßstab für Wert, für “Güte”, für deinen (positiven) Einfluss auf mich und auf andere Menschen und deine Position in der Welt sehen willst, aber falls dir das hilft – du bist in der Top 2 meiner Menschen ever auf emotionaler Ebene und ohne ein weiteres Ranking zu erstellen in den Top 5 der “Güte” die ich in Menschen das Gefühl hatte zu sehen, nach kurzer Überschlagung. Den Rest finden wir weiter raus. Für mich reicht das völlig aus um zu wissen dass das hier extrem viel wert ist – und du für mich. Und durch die Faktoren dafür wieso mein Gefühl das sagt, soweit ich das sehen kann, auch für viele andere Menschen und im Endeffekt auch die Welt.

Es ist vielleicht aus dem Zitat deutlich geworden: Sie hat weitere Partner. Sie funktioniert Beziehungstechnisch völlig individuell und tut mit jedem Menschen was mit diesem Menschen funktioniert und sich gut anfühlt, völlig unabhängig voneinander. Das ist, als treffendste Beschreibung, eine Polyamore Lebensweise und wer mich besser kennt bzw. frühere Einträge gelesen hat weiß sicherlich dass das für mich einige negative Assoziationen beinhaltet.

Das war seit ich sie kenne etwas das immer wieder leicht nagt, und dass das so ist hasse ich sehr. So sehr dass ich heute einen Twitter-Rant dazu verfasst hab der dann hier nun auch bearbeitet eingefügt wird, wenn ich schon dabei bin (englisch, da das spontan war und ich meist auf englisch twittere – Zusammenfassung auf Deutsch am Ende):

Can someone shoot me with some laser that entirely removes the concept of “competition” in all social and emotional contexts out of my brain?

That great person who somehow wants to spend time with me and also says that I’m great (???) has a few partners and my brain can FUCK RIGHT OFF. I made only awful experiences when trying to get out of mononormative [-> monogamous-normative] relationship models (all were my own fault and due to my own stupidity), but now I have these associations. I know that that’s neither how she nor any of her partners work, but I have impulses in the direction of having to “compete” and I FUCKING HATE IT.

I know that it makes some sense considering my history and I also know that my situation now is 100% different, but I’m afraid that not all of it is “just” trauma. We try to work with it and she’s as open as she can but it’s not part of her intuition as she doesn’t work like that at all in any way and it’s not part of my rationality to want to live monogamous, which makes it particularly hard for me to work with it because I don’t want to (have to) at all.

Fucking WHY.

I know that this can only ever stand between us and I want to just ignore it, but that caused the first of my horrible experiences so that’s not a good idea. I know myself well enough by now to know that I can’t just ignore my impulses, even the worst ones, but still – why. Why does this exist. Why, brain. And considering the circumstances, in which this not existing would be the most optimal situation for everyone, I just hate myself for it, like with everything my brain produces out of… what? Spite? Destruction? Pure evilness? I don’t even know, I just know that I hate it. I know the world would be a better place without these parts of how I work, I know they just cause problems and this does as well (especially in this situation), and I know it has nothing productive in it in any way.

Still, it’s obviously reality, and I can only work with it. She’s the optimal person to try and work on such things, as far as I can see. I just hope she’s able to put up with this shit long enough.

What was it? “Don’t show people what a shitty person you are. They’ll hate you!” – Still one of my favourite quotes of any art ever (from The Beginner’s Guide).

I show her a lot when I’m able to, but I don’t see everything. And the worst things are always those that hide and are so subtle that I only realize their existence out of randomness or when it’s too late.

She’s still here, somehow. Well. Hope, my greatest enemy and also only source of my will to live. How fucking ironic. Let’s hope I’m wrong.

The reason that I know that my brain thinking I have to compete with her partners is a problem at all is that I’m convinced I won’t have any chance anyway. It would’ve taken way longer for me to even figure out that my brain does this if I thought that I were able to compete in any way, because it takes me less time to become aware of such things if I myself suffer under them. I don’t see the reasons during breakdowns caused by them, but if I can analyze the reasons I sometimes find these things as likely triggers. I don’t really analyze positive triggers; they happen way too rarely and due to my depression, that’d lead to overthinking and that’d ruin those moments again.

Fuck narcissism. Fuck social norms. Fuck mono- and heteronormativity. Fuck my emotions. Fuck irrationality. And fuck me in particular. I want to be the best possible person, for myself and those around me, but NOPE, not for me, not for those around me, not in my life! If there’s anyone I can talk to about what the fuck they were thinking when they “created” my brain once this is all over, I’m gonna bust some balls.

To be clear, the thing my brain compares between her partners and me is how good of a human and how good for the people around them (especially for her) they are, not anything superficial. [Nachtrag: Ich habe gemerkt dass das nicht stimmt; dass der eine dessen Foto ich nun gesehen habe gut aussieht und nicht, wie ich, dick ist, ist ein großer Faktor gewesen] My brain won’t suddenly start to be irrational and narcissistic; it’s purely about rational altruism and that I’m fucking worthless, that’s all!! Haha. Ha. Well, that’s what my brain tells me, or tries to tell me. Only rationality is able to oppose my depression and my brain, but I can only ever be rational for so long. (I don’t know the “logical” consequence of this, considering that if everything fails, depression is always there – would that mean that depression is the basis of what I am, and everything else is built on top of it?)

Considering how I measure “good” in a human and how much I value integrity, me using double measures for myself is a double measure in itself. Meta-self-hate! Amazing. Does someone have the manual for this thing? I need to unplug it before it becomes self-aware.

 

Zusammenfassung: Mein Gehirn versucht intuitiv mich mit ihren Partnern zu vergleichen, rein anhand von Maßstäben die ich rational wichtig finde (z.B. wie “gut” ein Mensch ist), und kommt direkt zu dem Schluss dass ich diese Vergleiche -> “Wettbewerbe” sofort verliere weil die alle viel bessere Menschen sind als ich und ihr alle viel besser tun als ich jemals könnte. Da ist einfach so brutal viel falsch drin; alleine überhaupt zu vergleichen ist schon ein Anfang, da sie das überhaupt nicht tut und ich das überhaupt nicht will.

Es ist wahrscheinlich recht leicht zu erkennen dass ich das in einem Mentalstatus geschrieben wurde der schlechter war als mein aktueller. Das liegt teilweise auch daran dass das hier vorbereiteter ist, aber ich bin jetzt auch nicht mehr in dem Breakdown in dem ich zu dem Zeitpunkt war. Die Mechaniken ändern sich jedoch nicht; die sind so auch trotzdem fast alle meistens irgendwie vorhanden, nur viel weniger stark, mit anderen Nuancen, und sehr viel weniger relevant bis völlig irrelevant, je nach Art und Auswirkung der Gedanken. Dass mein Gehirn diese Vergleiche zieht würde ich nie Einfluss auf die Realität nehmen lassen; naja, abgesehen von der Kommunikation und dass wir aufpassen wie viel sie mir erzählt und dass ich Rückmeldung gebe.

Dennoch kann ich nicht zuverlässig verhindern dass mein Gehirn das irgendwie irgendworauf Einfluss nehmen lässt und alleine dass das eine Möglichkeit ist ärgert mich tierisch, weil ich das Konzept an sich schon so scheiße finde und dann auch noch weiß wie viel besser alles laufen würde wenn dieser Scheiß einfach nicht existieren würde – er hat nichtmal irgendeinen Nutzen; nicht in unserer Situation, nicht auf diese Weise.

Ich glaube, ich habe jetzt erstmal wieder alles neuere abgedeckt. Dass das hier so viel ist liegt zum Teil, aber nicht nur daran dass ich nuancierter schreibe sondern auch einfach tatsächlich daran dass so viel neues in meinem Gehirn und dadurch mit mir selbst passiert.

Mal sehen was passiert.

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