Gebet 05.06.2011

— Original-Beitrag vom 05.06.2011 —

Bitte Gott, mach doch dass die wenigen, die unter meinem Tod leiden würden bzw. dass die, die davon Nachteile hätten, so wie vorher weiterleben können, nur ohne mich, dass es sie nicht beeinträchtigt… das würde alles viel schneller, einfacher und vor allem hilfreicher im Hinblick auf eine Entscheidung gestalten. Mach, dass ich von dieser Welt, wie sie zu mir ist, verschwinde, dass ich nicht weiter so denke oder dass alle anderen nicht so zu mir sind, dass ich solche Gedanken habe – Und wenn ich alleine Schuld an meiner Situation bin, mach, dass sich niemand, der nicht schuld ist, schuldig fühlt.
Amen.

Ich weiß, mein Tod würde einschlagen wie eine Bombe, in meiner gesamten Umgebung. Verwandte würden sich definitiv schuldig fühlen, nicht beachtete Zeichen – wie vor ein paar Wochen, als sie mich auf meinem Balkon sah, mit einem schon ziemlich melancholisch-abwesenden Blick – im Nachhinein besser interpretieren, wissen, dass sie so nicht mit Leuten umgehen können und dass sie mitschuld sind an meinem Tod. Davon bin ich überzeugt.
Doch das Problem ist, dass es einige wenige Leute gibt, bei denen sich mein Tod nicht positiv auswirken würde. Bei aller Schuld, die andere Leute erkennen, würden sie sich doch niemals davon erholen können, nie so richtig, schon gar nicht meine Eltern oder mein Bruder. Es würde alles anders werden, und auch wenn alle einige Fehler haben, ist es doch für sie größtenteils gut, wie sie sind. Er kann noch ziemlich viel erreichen in der Welt der Informatik, kann viel Einfluss bekommen, viel gutes tun – ich weiß nicht, ob das nach meinem Tod noch möglich wäre. Sie würde nicht weiter an der Uni machen können, zumindest nicht wie vorher, würde womöglich ihren Job verlieren, was ihre größte Angst ist, und auch daran und an den Folgen letzterem wäre ich schuld.
Vor allem sie würde damit niemals richtig fertig werden. Womöglich hat sie für eine sehr, sehr lange Zeit ein gestörtes Verhältnis nicht nur zu Leuten in meiner Umgebung, die Mitschuld sein könnten, sondern auch zu neuen, Fremden. Kann ich das verantworten? Nein, kann ich nicht. Keinesfalls. Alleine für die Eigennützigkeit der Tat im Bewusstsein seiner Auswirkungen würde ich in die Hölle kommen; und ich bin realistisch: Die Hölle ist schlimmer als das hier.
Die aus dem Chat würden es wahrscheinlich gar nicht mitbekommen. Falls sie jemals erfahren sollten, dass ich Suizid begangen habe, werden die meisten sich nicht oder kaum dadurch berührt fühlen, und die wenigen, die es haben, werden zumindest keine wirklich negativen Erfahrungen davon tragen.
Vielleicht wäre es doch keine so dumme Idee. Früher oder später kommt jeder über so etwas hinweg, und was bleibt ist die möglicherweise freundlichere und offener Einstellung gegenüber Leuten wie mir. Ich könnte auch gutes damit bewirken, auf jeden Fall sogar.
Die Frage ist: Bewirke ich mehr gutes als schlechtes? Das ist die einzige Frage die sich mir stellt. Ich habe keine Angst vor dem Tod an sich. Ich würde ein Ende, so viel ich selber auch bewirken kann und werde, begrüßen, wenn es nicht die negativen Folgen beinhalten würde.
Deswegen, lieber Gott, mach, dass es keine negativen Folgen hat. Auf niemanden, nichtmal für eine Sekunde. Und wenn du das vollbracht hast, gib mir ein so unmissverständliches Zeichen, dass es so weit ist, dass keine Fehlinterpretation möglich ist. Und falls ich doch irgend etwas, möglicherweise eine aktuelle Gemütsschwankung oder was-auch-immer, falsch interpretieren sollte, halte mich ab – am besten, ohne dass irgend jemand etwas mitbekommt.
Ich weiß, dass du alles, was du tust und bewirkst, aus einem Grund tust. Dass es das beste für mich ist. Mir bleibt nur zu bitten und zu wissen, dass du auch weiterhin so verfährst. Und ich bitte dich, höre nicht auf mich, wenn ich dich um etwas bitte, was zwar in dem Moment gut für mich ist, sich aber im Nachhinein länger schlecht als vorher gut erweist – Achte einfach nicht darauf.
Bitte mach, dass ich die längstmögliche Zeit meines Lebens glücklich bin und mach, dass ich sehe, glücklich sein zu können – Du siehst, dass ich es selber unter rational gesehen eigentlich gar nicht so schlechten Umständen, trotzdem nicht klar komme.
Amen.

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