Alles auf Anfang.

Der letzte Eintrag ist schon wieder etwas her.

Ich musste mein Studium abbrechen. Mein Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert und ich konnte es nicht länger finanzieren – für Arbeitslosengeld darf man kein Student sein.

Arbeit zu Ende, Studium zu Ende – das hat mich ganz schön gekillt. Also bin ich in eine Klinik gegangen. Keine Akutklinik – Eine psychotherapeutische, für tiefersitzende, aber nicht akute, sondern persistierende Probleme.
Ich fühlte mich relativ schnell ziemlich wohl. Die Leute waren größtenteils toll und wurden immer toller, die Stimmung war angenehm und das Team freundlich und größtenteils zuvorkommend. Ich konnte mich ziemlich frei verhalten und trotzdem Therapie machen.
Tja, dachte ich. Dadurch dass mir so viel Freiraum im Verhalten gegeben wurde, fing ich an, immer offener über meine BDSM-Seite zu reden. Das stieß zwar niemanden konkret ab – wissen wollte es aber auch niemand wirklich. Es war für mich wohl ein Versuch, mich interessant zu machen. Hat nicht funktioniert.
In der interaktionellen Gruppe (Wie Einzeltherapie, nur in einer Gruppe) kam dann nach einigen für mich harten Themen dann auch das auf. Und dass ich mich gegenüber einem Mitpatienten und Freund ganz unmöglich verhalten habe. Ich spürte richtig, wie der Hass gegen mich aufkochte; und dabei hatte ich noch nichtmal erzählt, was ich damals meiner Exfreundin angetan habe. Mittlerweile bin ich froh dass ich das nicht getan habe.
Die Situation war trotzdem nicht mehr tragbar. Einen Tag später – eine Woche früher als geplant, nach 11 Wochen Aufenthalt – habe ich mich dann selbst entlassen.
Ich hoffte, dass der Grundstimmungsanstieg, der in der Klinik deutlich zu spüren gewesen war, anhielt.
Tat er.
Ungefähr einen Tag lang.
Dann gings wieder runter.
Und jetzt bin ich hier und habe eine TweetEskapade hinter mir, in der ich mich selbst bemitleide wie selten zuvor. Alles davon ist wie ich denke, so wie man das hier von mir kennt. Alles wahr. Und deswegen umso trauriger, dass ichs in die Welt hinausposaune. Ich rechtfertige es mir damit, dass es um die Uhrzeit sowieso keiner liest.

In der Klinik habe ich angefangen, Notizen zu schreiben darüber, was mir in einer Therapiesitzung wichtig vorkam.
Der Grund dafür ist gruselig. Es war die erste Therapie, bei und nach ders mir wirklich mies ging, weil es mir so nahe ging was gesagt wurde. Es bedeutete mir was.
Viel.
Und zwei Tage später, als ich von meiner Therapeutin gefragt wurde, was mir denn so viel bedeutet habe, wusste ich nichts mehr.
Nicht.
Das.
Geringste.
Ist das ein Verdrängungsmechanismus? Alles emotionale wird nachhaltig zerstört, damit es mich bloß nicht erreicht oder gar verändert? Was ist es, das mir an diesem Scheiß-Leben so wichtig ist, dass ich es nicht verlieren möchte?
Keine Ahnung.
Aber ein paar Auszüge werde ich hier reinkopieren.


Aktiver werden
Warum verbinde ich sexuelle Gewalt mit sexueller Lust?
Keine Liebe seit jeher – Versuch, Hass zu erzwingen, um Nähe zu haben
Manipuliere ich Menschen?

Das sind Auszüge aus vier verschiedenen Therapiesitzungen/-gruppen, die mir alle sehr nahe gingen.

“Aktiver werden” soll mir dabei helfen, meinen Arsch hochzukriegen. Nicht alles hinnehmen was passiert – etwas tun!
Dass ich sexuelle Gewalt mit sexueller Lust verbinde, folgte auf einen selten dämlichen Kommentar am Ende einer interaktionellen Gruppe. Wie es scheint, wird in meinem Kopf sexuelle Gewalt mit sexueller Lust gleichgesetzt, oder passiert zumindest auf einer Ebene.
Dass ich seit jeher nie gespürt habe, geliebt zu werden – weder von meinen Eltern, noch von meinen Exfreundinnen, dürfte Lesern dieses Blogs nicht unbekannt sein. Es kam dazu, dass ich scheinbar unterbewusst Leute dazu zu bringe, mich zu hassen, indem ich Dinge sage und tue, die sie verletzen und von mir abstoßen. Ich schiebe das immer auf die Unfähigkeit, zu erkennen, was angebracht ist und was nicht – das wurde angezweifelt. Es wurde geglaubt, ich wisse genau was ich tue. Und tue es mit Absicht. Denn Hass ist genauso nah wie Liebe: In der komplett entgegengesetzten Richtung.

Das Letzte ist eine Nummer für sich. Ich habe einen Freund in der Klinik relativ bald eingeweiht, dass ich SMler bin, und da er noch völlig unerfahren in Sexualitäten war, war er sehr wissbegierig, alles zu erfahren. Ich habe ihn dann auf einen Stammtisch mitgenommen, damit er sich informieren und Leute treffen kann. Das ganze führte letztendlich zu einigen ersten Erfahrungen.
Die Kritik: Ich beraube ihn seiner sexuellen Selbstfindung. Tue ich das? Keine Ahnung. Nicht bewusst, natürlich. Klang damals logisch.
Und das wäre, im Endeffekt, Manipulation.
“Warum suchst du dir nicht jemanden in deiner Liga?” bleibt mir bis heute im Kopf hängen, fast so sehr wie “Ich glaube, du fühlst gar nichts. Ich glaube, du tust nur so, weil du glaubst, es sei jetzt angemessen, etwas zu fühlen. Du tust bedrückt, und getroffen, und gehst hier raus, und alles ist weg.” (Die Aussage werde ich wohl nie wieder loswerden.) Bin ich wirklich so ein Mensch, der andere manipuliert um zu erreichen was er wünscht? Könnte ich solch ein Abschaum sein?
Vielleicht. Die Beweisführung klang einleuchtend.

Ich muss ausziehen bis Mitte Oktober. Ich muss anfangen, wirklich nach Wohnungen zu suchen – ist nur noch drei Monate hin.

Ich warte auf einen Antrag, der mir ermöglicht, psychotherapeutisch begleitet eine Ausbildung zu machen. Die einzige, die die Einrichtung anbietet, die irgendwie Sinn macht, ist zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung.
Well, I guess.
Der Antrag wird 3-12 Monate zur Bewilligung brauchen. Bis dahin sitze ich zu Hause und tue was ich am Besten kann: So wenig wie möglich. Da alles mit Risiko verbunden ist.

Ich fühle mich einsam. Unfassbar, unglaublich und endgültig einsam. Ich habe niemanden, bei dem ich mich sicher fühle – niemanden, bei dem ich das Gefühl habe, ich könnte mich ganz und völlig öffnen.
Ich weiß dass das hier ein paar Leute lesen, die das gern für mich sein würden, und es mir wahrscheinlich anbieten.
Es ist ein Gefühl. Das ist nichts was ich kontrolliere. Ich bin dankbar für jeden Versuch, mir zu helfen. Aber es kommt nichts an. Nie.
Das hat es noch nie, wie es scheint.

Alles ist so, wie es schonmal war.
Alles ist, wie ich es kenne.
Alles wieder auf Anfang.

Hello darkness my old friend.

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